Generation Lost

Generation LOST
oder
Die Jugend ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Den Satz kann man sowohl positiv als auch negativ sehen. Obwohl er doch eher negativ belastet ist. War früher alles besser? Es gibt die Generation X, die Generation Y und Generation Z. Für mich gibt es auch noch die Generation LOST.
Diese Generation ist vorwiegend in den 90ern groß geworden und hat alles präsentiert bekommen, was die Welt so zu bieten hat: das Internet, das Handy, den HipHop – alles war schon da. Nichts mehr musste erst erfunden werden. Alles verfügbar. Ich würde diese Generation so beschreiben: sensibel, wohnhaft in einer WG im hippsten Teil der Großstadt. Unterwegs mit einem Rennrad. Nahrung: mindesten vegetarisch. In jedem Fall ein Studium absolviert! Am besten im Ausland. Anschließend bzw. irgendwann wird „Irgendwas mit Medien“ gearbeitet. Lieblingsstädte- und Ziele sind Berlin, Barcelona, Bali und Süd-Amerika. Hobbies sind in jedem Fall Festivals und Underground-Raves. Und chillen. Mode-technisch definitiv dem Trend hinterherlaufen und das tragen, was alle tragen. Und trotzdem denken, man sei voll trendy. Hauptsache dazugehören. Und ganz wichtig: die Selbstdarstellung in den sozialen Medien. Und genau diese ach so hippe Generation ist für mich zum größten teil LOST. Im wahrsten Sinne des Wortes. Alle mit sich selbst beschäftigt. Und irgendwann completely lost. Komplett planlos, und das obwohl sie die Welt bereist und diese vielleicht sogar verändert haben. Viel Neues ausprobiert haben. Auf der Suche nach Glück. Und dem Sinn des Lebens.

Spulen wir mal ein paar Jahre zurück, bevor diese Lost-Phase eingetreten ist. Als diese Generation gerade in die Windeln gekackt hat, haben wir uns mit Paris Hilton, MySpace und den ersten Folgen von DSDS rumgeschlagen. Online Shopping war noch nicht existent. Irgendwann kam American Apparel, Urban Outfitters, dann Asos. Spätestens hier kann man sich den Begriff Hipster nicht mehr verkneifen.

Zurück in die Gegenwart: Nun ist die Zeit, in der jene 90ies Kids zu viel Auswahl haben. Die Welt liegt Ihnen zu Füssen. Sie können studieren, reisen, abhängen. Alles auf einmal. Einen Job finden diese immer, ob heute in Stuttgart oder morgen in Berlin. Um Geld machen sie sich wenig Sorgen, denn zum einen benötigen sie nicht so viel davon, zum anderen kommt oftmals auch Unterstüzung aus dem Elternhaus. Oder wie erklären sie uns, daß sie schon alle fünf Kontinente bereist hat? Heute Island, morgen Vietnam. Immer auf Achse. Oder sie sich das neueste iPhone leisten können? Und ein WG-Zimmer in Bestlage? All inclusive! Man arbeitet (wenn überhaupt) nur so viel, daß man die monatlichen Kosten decken kann. An die Zukunft wird nicht gedacht. Rente? Noch nie gehört. Kommt erst später. Tangiert mich heute doch nicht. Wieso voll arbeiten wenn man doch jetzt gerade nicht so viel braucht. Sparen? Für was? In die Kasse einbezahlen? Später. Bisher musste nie was einbezahlt werden. Bisher gab es doch auch (fast) alles umsonst. Schule, Uni, Wohnung, Urlaub, Netflix, Handy, Spotify. Entweder haben die Eltern oder der Staat bezahlt. Aber das braucht man auch um sich so richtig entfalten zu können. Das kann schon mal bis zum 30. Geburtstag dauern. Oder gerne auch ein bisschen länger. Das Gute an dieser Generation ist, daß Sie wieder richtige Werte schätzt. Und das auch kommunziert. Für eine bessere Umwelt, für gesünderes Essen, für ein besseres Miteinander. Freundschaften zählen mehr als Statussymbole. Ausgehen, die Welt erobern, neue Menschen kennenlernen. Eine politische Meinung zu vertreten. Das ist wichtig. Die Karriere hingegen ist in den Hintergrund getreten. Es geht also zum Teil in die richtige Richtung. Und macht unsere Welt vielleicht zu einem besseren Ort. Zumindest bist die LOST-Phase eintritt.

Denn irgendwann kommt der Punkt an dem diese Kids über das Leben nachdenken (müssen), wo die eigene Reise hingehen soll, was man eingentlich später einmal vom Leben erwartet. Man hat schließlich alle Möglichkeiten. Zumindest jetzt noch. Trotz der riesigen Auswahl und der eigenen Bestimmung, wie man sein Leben führen möchte, weiß man irgendwann nicht mehr, wer man ist, was man will, wo man hingehört. Man hat viel zu viele Möglichkeiten, kann alles sofort konsumieren. Und das wird zum größten Problem! Früher hatte man Burn-out, weil man zu viel gearbeitet hat; heute, weil man irgendwann nicht mehr weiß, was man mit seinem Leben anfangen soll. Das Leben auf der Überholspur hat einen überrollt.

Wird es nicht langsam mal Zeit Verantwortung zu übernehmen? Etwas zurückzugeben? An die Eltern. Und an die Gesellschaft? Vielleicht auch an sich selbst? Genau an diesem Scheideweg stehen wir gerade. Das ist ein bisschen wie mit dem Klimawandel: bald werden wir wissen, wie es mit dieser Generation weitergeht. Ob sie noch die Kurve bekommt oder sich einfach nur treiben lässt und wartet in welchen Hafen man als nächstes einfährt.

Hätte man also nicht all diese Möglichkeiten, wäre diese Generation auch nicht so lost. So zumindest meine These. Manchmal ist weniger mehr. Zum Glück kann man zur Selbstfindung eine Yoga-Session in Thailand buchen….

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