Nichts ist so, wie es mal war

NICHTS IST SO, WIE ES MAL WAR.

Knapp vier Monate ist es her, daß ich ein paar Zeilen zum Thema Einzelhandel / Corona geschrieben habe. Damals war der Einzelhandel zum größten Teil geschlossen, systemrelevante Branchen wie Frisöre, Blumenläden und Baumärkte durften gerade wieder öffnen, die Bänder bei Daimler liefen auf Hochtouren, aber wir, der Einzelhandel (und noch ein paar weitere Branchen) mußten als Quotenheini die Türen zu lassen.
Jetzt liegt die Inzidenz bei unter 10. Die Läden und Gastros sind endlich wieder offen. Bis vor kurzem noch mit Schnelltest, jetzt nur noch mit Maske. Man könnte meinen, daß der Normalbetrieb wieder eingesetzt hat. Die Stadt ist teilweise wieder einigermaßen besucht, aber die Umsätze liegen noch, zumindest hört man das von den Meisten, weit unter den normalen Zahlen. Und ich bin der festen Überzeugung: das wird auch so bleiben. Jetzt kommt erst mal das Sommerloch. Die SALE-Schlacht bei Primark & Co läuft auf Hochtouren. Wer etwas Hochwertigeres verkaufen möchte, bleibt meist auf der Strecke. Dieses Publikum ist nur noch bedingt zu finden, zumindest bei uns auf der Königstraße. War ein Ladengeschäft auf besagter Einkaufsstraße bis vor kurzem noch ein Segen, ist dieses seit Beginn der Pandemie ein Fluch. Und zwar ein ganz gewaltiger!

Dort, wo die höchsten Mieten bezahlt werden, wird am wenigsten Umsatz generiert.

Die Leute sollen zuhause bleiben, hat man gesagt. Bedeutet: die Top-Innenstadtlage wird zum Grab. Dort, wo die höchsten Mieten bezahlt werden, wird seit über einem Jahr (im Verhältnis gesehen) am wenigsten Umsatz generiert. Ist das fair? Nein! Kommt seitens der Stadt Unterstützung? Nein! Bedeutet: die Innenstadt, wie Sie einmal war, wird es in dieser Form nicht mehr geben. Viele Läden werden in den kommenden Monaten schließen, Discounter werden eröffnen.
Erst wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wird man wieder Stimmen hören, daß geholfen werden müßte. Aber momentan steht ja keine Wahl an.

Das Kaufverhalten der Stuttgarter hat sich schon nach dem ersten Lockdown verändert. Viele haben Supermarkt, Baumarkt und vor allem den Onlinehandel für sich entdeckt. Und werden bei diesen wohl bleiben. Das bedeutet für mich: Sortiment wechseln. Was früher ein Bestseller war bleibt jetzt liegen. “Umdenken” lautet die Devise, und das schon seit Sommer letzten Jahres. Der Aufwand ist, trotz geringem Umsatz, größer als zuvor. Ich muss mich mit dem Steuerberater und der Arbeitsagentur austauschen; Lieferanten können teilweise nicht liefern. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Produkten, welche sich (hoffentlich) verkaufen lassen. Bis vor kurzem musste ich tagesaktuell entscheiden, was am nächsten Tag passiert: Öffnungszeiten verlängern? Wie sind die Regeln? Mit Test, ohne Test? Und bei allem ist man auf sich selbst gestellt. Es gibt keine Stelle, die einen z.B. per eMail (digital!) informiert, was die Stadt sich wieder Neues überlegt hat.

Das Impfzentrum wird Ende Juli geschlossen, weil die Liederhalle umgebaut werden soll. Das große Testzentrum vorm Königsbau verschwindet. Ich frage mich: ist jetzt wirklich alles vorbei? Oder sollte ich mich fragen: Sind wir auf die vierte Welle vorbereitet?
Wir haben das nun schon mehrmals mitgemacht: alle wissen, daß die nächste Welle kommt und keiner ist mal wieder darauf vorbereitet. Die Impf- und Testzentren müssten erhalten bleiben, auch wenn diese von weniger Leuten als bisher genutzt werden. Da wäre unser Steuergeld sinnvoll investiert.

Vor kurzem bin ich die Marienstraße entlang gelaufen und haben Testzentren gesehen, die aussahen wie Hinterhofklitschen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich da irgendjemand testen läßt. Und genau auf diese Testzentrem kann man noch zurückgreifen, weil die städtischen Zentren Ihren Betrieb aufgeben. Bleibt nur zu hoffen, daß die Stadt uns noch nicht aufgegeben hat.

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